Marek M. Chojecki · MCH
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Theater2025–2026

La Nouvelle Antigone

Nach Sophokles, von Frédérique Zahnd

BearbeitungRegieDramaturgie
La Nouvelle Antigone

Auf der Bühne stehen keine Schauspieler·innen, sondern eine echte Aktivistin von Extinction Rebellion und ein rechtsextremer Politiker, der den Klimawandel leugnet, flankiert von zwei gemässigteren politischen Figuren. Ihr Ziel: einen Ausweg aus der Tragödie finden und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Die Frage, die sie umtreibt: Sind wir zur Tragödie verdammt?

La Nouvelle Antigone ist ein einzigartiger Theaterabend, der Theater, Politik und Ökologie verbindet. Am Schnittpunkt von Demokratie und Tragödie fragt er: Sind wir überhaupt noch fähig, mit ideologischen Gegner·innen zu debattieren?

Das Stück bietet eine zeitgenössische Neulektüre des Antigone-Mythos: Die Heldin wird zur Umweltaktivistin, Kreon zu einem autoritären Präsidenten, und die Tragödie spielt sich im Massstab des Klimas neu ab. Die Inszenierung pendelt zwischen Debatte und Mythos: Die Rollen verschwimmen, Fiktion und Wirklichkeit verflechten sich auf gefährliche Weise. Diese Auflösung der Grenzen stellt unsere kollektive Fähigkeit in Frage, die Geschichte neu zu schreiben – oder sie zu wiederholen.

Konzept

Eine Debatte

Der Abend beginnt mit einer Debatte zwischen vier Politiker·innen, die gegensätzliche ideologische Lager vertreten und sich um ein brennendes Thema versammeln – die Klimakrise. Sie versuchen, einen Ausweg aus dieser Frage zu finden. Wie debattieren, wenn alles spaltet? Das Theater, gestützt auf 2000 Jahre Erfahrung mit der Tragödie und ihren Sackgassen, wird zum idealen Rahmen für diese Befragung. Durch diese Anordnung nehmen die politischen Fragen der Gegenwart eine konkrete, lebendige, beinahe körperliche Gestalt an: die einer ideologischen Konfrontation unter Hochspannung.

Ein Mythos

Die Protagonist·innen der Debatte lassen sich auf eine theatrale Übung ein: Sie spielen Auszüge aus La Nouvelle Antigone. In diesem vom antiken Mythos inspirierten Stück findet jede Figur die Umrisse ihrer tiefsten Überzeugungen wieder. Die radikale Aktivistin wird zu Antigone, der autoritäre Mandatsträger zu einem zeitgenössischen Kreon. Die Grenzen zwischen Fiktion, Mythos und Wirklichkeit verschwimmen. Jede Replik erhält einen doppelten Sinn, und die mythologischen Figuren scheinen unsere eigene Gegenwart haargenau zu spiegeln.

Eine Gegenwart

Warum Antigone im Jahr 2025 neu spielen? Weil dieser Mythos, unablässig neu geschrieben (von Sophokles bis Anouilh, von Cocteau bis Brecht), uns noch immer etwas zu sagen hat. In La Nouvelle Antigone stellt Frédérique Zahnd den zentralen Konflikt vor einen neuen Horizont: den der ökologischen Krise. Antigone verteidigt nicht mehr nur einen Bruder, sondern eine Generation, eine Zukunft, einen Planeten. Das Stück wird so zu einer engagierten, zeitgenössischen Neulektüre: ziviler Ungehorsam, Klimaengagement, Feminismus, die Erschöpfung der öffentlichen Debatte … alles läuft auf diese tragische Figur zu, die Widerstand leistet, um den Preis ihres Lebens. Doch lässt sich ein anderes Ende schreiben?

Eine Tragödie

In diesem Spiegelspiel zwischen politischer Debatte und Theatertragödie fragt der Abend: Sind wir fähig, dem Verhängnis zu entkommen? Lässt sich Antigone retten – und symbolisch das, was sie verkörpert? Die Figuren der Debatte fordern ein anderes Ende, eine Alternative zum Opfer. Doch die tragische Mechanik ist unerbittlich. Jeder Versuch der Verständigung scheitert, jedes ausgesprochene Wort bringt sie einem Punkt ohne Wiederkehr näher. La Nouvelle Antigone setzt so Theater und Wirklichkeit, Utopie und Sackgasse in Spannung, um eine grundlegende Frage zu stellen: Werden auch wir, angesichts der angekündigten Katastrophe, unermüdlich die Fehler wiederholen, die unweigerlich in die Tragödie führen?

Text

Der Text der Inszenierung beruht auf dem Werk von Frédérique Zahnd. Die Bearbeitung von Marek M. Chojecki präsentiert zentrale Auszüge aus dem Originalwerk und verknüpft sie mit dem Thema der politischen Debatte und der Schauspieler·innen/Politiker·innen. Die Diskussionen der Debatte, die Wortgefechte, Unterbrechungen und Monologe sind aus der Probenarbeit heraus entstanden.

Frédérique Zahnd – Agrégée in neuerer französischer Literatur und Literaturkritikerin; sie schreibt unter anderem für Esprit und La Pensée Écologique und arbeitete kürzlich mit LaRevueDurable zum Engagement junger Menschen für die ökologische Wende zusammen. La Nouvelle Antigone, le mythe s’empare du climat (Unicité, 2022) ist vom zivilen Ungehorsam der Jugend inspiriert, insbesondere von der Bewegung Extinction Rebellion – einem Engagement, an dem sie selbst teilnimmt.