Marek M. Chojecki · MCH
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Theater2016

Traversée

Musiktheater · Les Musidiens

TextSpielMusik
Traversée

Zwanzig sein ist, als beträte man eine Bibliothek. Mit leidenschaftlichem Blick entdeckt man zunächst eine Fülle von Büchern, ohne ihren Inhalt zu kennen. Die Themen, die Titel, die Umschläge oder auch ihr «Ruf» ziehen uns an, man möchte alles lesen. Dann blättert man, an einem Tisch sitzend, in ihnen, entdeckt, probiert aus, liebt, verliebt sich, wird enttäuscht, klappt sie vor dem Ende zu, versucht es gar nicht erst. Unsere anfängliche Auswahl schrumpft mit jeder schlechten Erfahrung. Unsere Augen, obwohl sie zwei oder drei Bücher zugleich lesen möchten, müssen eine Wahl treffen und Themen unvollendet lassen, bis die Lider sich schliessen. Wenn wir die Bibliothek verlassen, nehmen wir nur jene wenigen kostbaren Bücher mit, die uns lieb sind, jene, die uns wirklich begeistern, jene, die uns ausmachen.

TRAVERSÉE ist Musiktheater, in dem die Worte in ständigem Dialog mit der Musik tanzen. Durch die Körper der Darsteller·innen verkörpert diese Uraufführung die Enge, die Einsamkeit und die Ängste, die man empfinden kann, wenn man vor eine Wahl gestellt wird und die Last der Verantwortung spürt. Sich selbst gegenüber, den anderen gegenüber, angesichts des Befremdlichen der Situationen: Wie überlebt man in einer Welt der tausend Orientierungspunkte?

Inspiriert von Lukas Bärfuss’ Parzival, vom Denken Camus’ und Nietzsches, aber auch vom Surrealismus, laden die Musidiens zu einer labyrinthischen, chaotischen Reise ein, auf der Musik, Poesie und Körper ebenso anziehen wie verwirren. Wie wäre es, sich in ihren Reigen einzureihen?

Eigens für das Projekt Traversée zusammengekommen, sind die Künstler·innen der Truppe in mehreren künstlerischen Bereichen zugleich tätig, insbesondere in Musik, Theater und Schreiben. Die Truppe ist aus gegenseitiger Ergänzung und Austausch entstanden. Die Idee war, gemeinsam ein Stück zu schaffen, zu dem alle das Ihre beitragen – ihre eigene, besondere künstlerische Erfahrung –, aber auch, dass sich diese an der Universität so oft vereinzelten kreativen Energien (wie viele Literaturstudierende schreiben oder komponieren im stillen Kämmerlein!) hier gegenseitig nähren. Alle Musidiens sind vollwertige Schöpfer·innen des Projekts, sowohl seines Konzepts als auch seiner szenischen Umsetzung.