Marek M. Chojecki · MCH
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Theater2018

Le Procès d’Horace

Nach Corneille · Cie Acte V

RegieDramaturgieSpiel
Le Procès d’Horace

Wie konnte es so weit kommen? Camille ist soeben von ihrem Bruder ermordet worden, als dieser triumphierend aus dem Bürgerkrieg heimkehrte, in dem Rom und Alba einander gegenüberstanden. Siegreich und auf dem Gipfel seines Ruhms sieht Rom seinen Helden in die Abgründe der Schande stürzen. Familie, Vaterland, Prinzipien und Ethik – alles prallt aufeinander. Für den König gilt es nun zu richten: Soll man den Brudermord freisprechen oder den Helden verurteilen?

Nach Corneilles Horace erkundet Le Procès d’Horace diesen bekannten Klassiker, der auf zeitgenössischen Bühnen jedoch kaum präsent ist. Wozu die Klassiker neu spielen? Diese für das heutige Theaterschaffen zentrale Frage leitet das Projekt der Cie Acte V, die sich hier daran macht, das Meisterwerk von Pierre Corneille neu zu befragen. Warum wird das Stück trotz vielversprechender Zutaten (Verbrechen, Brudermord, Urteil, Freispruch) so selten gespielt? Was macht es so fern, so schwer zugänglich? Ist es der Patriotismus, das Eroberungsideal oder der Sexismus? Oder liegt es an seiner Struktur, seiner Länge?

Le Procès d’Horace, eine kreative Neulektüre von Corneilles Stück, will den Rezeptionsproblemen eines klassischen Textes bei einem zeitgenössischen Publikum begegnen. Indem sie die «Mängel» des Stücks zuspitzt, wie Corneille selbst sie bereits wahrgenommen hatte, präsentiert die Cie Acte V eine mehr als aktuelle Fassung: ein Drama des menschlichen Widerspruchs, in dem Fragen von Geschlecht, Ethik und Macht in den Vordergrund rücken.

«Dies Verbrechen, wenngleich gross, ungeheuer, unentschuldbar, / Stammt von demselben Schwert, geht aus von demselben Arm, / Der mich heute zum Herrn über zwei Staaten macht.»Horace, acte V, scène 3